Wer journalistisch sauber arbeiten will, muss auch vermeintlich sichere Quellen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen. "Die Staatsanwaltschaft ist eine Quelle wie jede andere auch", sagte der Investigativ-Journalist Michael Kraske in einem Campusgespräch am Freitag, 06. März, mit Studierenden des berufsbegleitenden Masterstudiengangs New Media Journalism. Der Journalist, der unter anderem mit dem Sächsischen Journalistenpreis ausgezeichnet wurde und Reportagen und Porträts für Stern, Die Zeit, Geo, Merian, Reader´s Digest, Der Tagesspiegel, Stuttgarter Zeitung und Sächsische Zeitung schreibt, bot den Teilnehmern einen spannenden Einblick in seine investigativen Recherchen im rechtsextremen Milieu.
Detailgetreu berichtete Michael Kraske von seinem Vorgehen bei seiner 2011 erschienenen Reportage "Mein Nachbar, der Neonazi", die es auf die Short List zum Henri-Nannen-Preis schaffte. Kraske konnte für die Recherche nicht nur auf ein Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, das er sich im Laufe der Jahre aufgebaut hat, sondern auch Einblick in Gerichtsakten nehmen. Vor allem musste er aber zunächst das Vertrauen seiner Protagonisten gewinnen.
Dass Journalisten nicht immer den Recherche-Grundsatz befolgen, ihre Quellen kritisch zu hinterfragen, zeigte Kraske anhand seinen Textes "Geschreddert, vergessen, geschlossen" zu den geschredderten NSU-Akten des Verfassungsschutzes auf, der im August 2014 Aufmacher in der deutschen Medienzeitschrift Journalist war. Kollegen der Süddeutschen Zeitung hatten nicht überprüfbare Quellen zitiert. Kraske attestiert der SZ, durch unkritische Wiedergabe der Behördensicht problematischen Einfluss auf die weitere Berichterstattung zu dem Thema genommen zu haben.
Der Werkstattbericht war krönender Abschluss des Leipziger Recherche-Moduls im international vernetzt organisierten Studiengang New Media Journalism. Teilnehmer Beat Krapf sagte im Anschluss: "Genau solche Gesprächsrunden habe ich mir von dem Studium erhofft." Im nächsten Modul in Luzern werden sich die Studierenden damit beschäftigen, wie sie recherchierte Inhalte journalistisch cross- und multimedial aufbereiten.
